
Allgemein
Heute im Glas: Schwäbischer Hochland Single Malt aus der deutschen Whiskydestillerie Finch: Finch Distillers Choice 7 Jahre Smoky.
Whisky aus dem Schwabenländle
Inzwischen kann es sogar Sinn ergeben, deutschen Whisky nach Regionen zu betrachten – allein in Schwaben gibt es bereits weit über zehn Brennereien. Wie stark sich die Stile regional unterscheiden, können wir noch nicht abschließend beurteilen, aber dieser Finch zeigt klar, dass Schwaben Charakter hat.
Vom Obstbrand zum Whisky
Die Geschichte begann in den 90ern mit einer kleinen Obstbrennerei, die der heutige Inhaber Hans-Gerhard Fink eher zufällig übernahm. Aus dem Hobby wurde eine größere Destille – und 1999 floss der erste New Make in kleine 30-Liter-Fässer. Heute lagern bei Finch über eine Million Liter Whisky.
Raucharoma trotz ungetorftem Malz
Der Whisky reifte in Barriques aus französischer Eiche mit Weinvorbelegung und erhielt anschließend ein viermonatiges Finish in Islay-Hogsheads. Das sorgt für die rauchige Note – ganz ohne Torffeuer im Mälzprozess. Um welchen Wein es sich handelte, ist nicht angegeben.
Fakten zum Finch Distillers Choice 7 Jahre Smoky
- Destillerie: Finch Schwäbische Highland-Whiskybrennerei
- Herkunft: Deutschland (Schwaben)
- Alter: 7 Jahre
- Abfüllung: Originalabfüllung
- Fässer: Barrique (franz. Eiche, Weinvorbelegung) + Islay-Hogshead Finish
- Alkoholgehalt: 46 % vol
- Ohne Farbstoff & ohne Kühlfiltrierung
Nach sieben Jahren Reife wurde mit 46 % in angenehmer Trinkstärke abgefüllt – selbstverständlich ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltrierung.
Optik
Im Glas präsentiert sich der Finch in dunklem Bernstein mit kupfernen Reflexen – ein Indiz für die Weinfassreife. Die Flüssigkeit läuft ölig und gemächlich die Glaswand hinab; es bilden sich gleichmäßige, mittelbreite „Beine“, die langsam zurückfließen. Die Klarheit ist hoch, Schwebstoffe sind keine zu erkennen. Die Farbe wirkt für 7 Jahre plausibel und eher fassbedingt als künstlich verstärkt – passend dazu die Angabe ohne Farbstoff.
Nosing
Die Nase startet mit einem deutlichen Weinaroma: rote Beeren, ein Hauch Schwarzkirsche und saftige Pflaume. Dahinter entfaltet sich feiner Lagerfeuerrauch – trocken, aschig, nie beißend. Mit Zeit im Glas öffnet sich der Dram: Vanille, Karamell und geröstete Haselnuss, gefolgt von frischem Holz, feuchtem Waldboden nach Nieselregen und einem Wacholder-Ton, der an Kräuterwiese erinnert. Leichte Würze (Pfeffer, Muskat) rundet ab; die Süße bleibt dominant und trägt den Rauch elegant.
Geschmack
Öliger, weicher Antritt mit vanilliger Süße und sofort präsenter Rauchspur, die an warme Asche erinnert. Dann baut sich eine angenehme Würzschärfe auf – pikant wie zerdrückte Wacholderbeeren – und verbindet sich mit nassem Holz, dunkler Karamellnote und einem Hauch Zartbitterschokolade. Die Weinreife steuert saftige rote Frucht bei, ohne bitter zu werden; insgesamt bleibt der Eindruck balanciert, intensiv und vielschichtig.
Nachklang
Der Abgang ist mittellang bis lang. Zunächst prickelt die Würze kurz am Gaumen, dann gleitet der Dram in süßlich-rauchige Töne über. Vanille und Karamell halten nach, begleitet von Asche, etwas Holzpolitur und einer Spur Trockenfrucht. Die Rauchfahne bleibt sanft und angenehm haften.
Kommentar
Fazit: Ein sehr stimmiger schwäbischer Single Malt, der sich vor Schottland nicht verstecken muss. Der subtil eingebundene Rauch trifft auf weinfruchtige Süße und würzige Tiefe – das ist charaktervoll, eigenständig und macht Lust auf den nächsten Schluck.
Zwei Drams sättigen geschmacklich vollkommen; einer genügt – aber manchmal will man eben den Nachschlag. Preis-Leistung und Handwerkscharakter überzeugen.
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Herkunft | |
| Sorte | Single Malt |
| Alter | 7 Jahre |
| Volumenprozente |
46 %
|
| Abfüller | Original |
| Fasstyp | Barrique (franz. Eiche, Wein) & Islay-Hogshead Finish |
| Whiskybase ID | 171636 |
| ohne Farbstoff | |
| ohne Kühlfiltrierung | |
| Frucht | |
| Süße | |
| Würze | |
| Sherry / Wein | |
| Rauch | |
| Intensität | |
| Komplexität | |
| Fazit | |
| Punkte |
